Turbostaat
Nachtbrot

8Null9
VÖ: 11.01.2019

Ich gebe es zu, ich habe etwas gebraucht, bis ich die Magie von Turbostaat wirklich verstanden habe. Aber seit diesem Zeitpunkt halte ich das Quintett aus Flensburg für eine der besten und wichtigsten (Punk-)Bands des Landes. Nun feiern Turbostaat also ihren 20. Geburtstag und sich selbst mit einem grandiosen Live-Album. Das hört auf den Namen “Nachtbrot” und erscheint auf CD und DoLP.

Als die fünf Musiker von Turbostaat sich 1999 in Husum zum ersten mal zur Probe trafen, wollten sie laut eigener Aussage eigentlich nur ein bisschen Deutschpunk ballern. Okay, so habe ich fünf Jahre früher auch mit meiner ersten Band angefangen. Doch während wir damals weder Plan noch Mut hatten einfach in eine andere Stadt zu fahren (und demnach auch nicht wirklich weit kamen), sind Turbostaat los gefahren und haben so erfolgreich die Welt entdeckt. Dabei haben sie Freunde gefunden, die seitdem mehr als nur Weggefährten sind. Zum Beispiel Moses Schneider, der seit Jahren die Alben der Band produziert. Oder die Jungs, die Licht und Merchandise betreuen. Für mich, der noch extrem an diesen ganzen Szenequatsch und einen gelebten DIY-Gedanken glaubt, eine Tatsache, die die Band einfach noch größer wirken lässt.

Die nun vorliegende Veröffentlichung kommt unter anderem als 60-seitiges Fotobuch, dem an Anfang und Ende jeweils eine Schallplattenhülle eingearbeitet wurde in dem jeweils eine 180 Gramm schwere Platte steckt. Wundervoll. Wer sich jedoch ein bisschen auskennt weiß, dass das alles mit viel Aufwand, Arbeit und Kosten verbunden ist. Die Band veröffentlicht das Ganze daher über ihr eigenes kleines Label, was sie mittlerweile wahrscheinlich bereut.

Ich selbst bin ja sehr empfänglich für die Art der schwarz-weiß Fotografie, die Fotograf Andreas Hornoff in den vergangenen Jahren gemacht und für dieses Projekt ausgesucht hat. Man kann auf den Bildern nicht nur das gute Auge Hornoffs für den (besonderen) Moment erkennen, sondern auch die Vertrautheit der Musiker ihm gegenüber. Wirklich ganz toll.

Musikalisch greifen Turbostaat auf 21 Songs zurück, die so ziemlich alle Schaffensphasen der Band umfassen. “18:09. Mist, verlaufen” ist vom ersten Demo, “Kriechkotze” eine Coverversion der Band Dellwo – übrigens ein Highlight auf “Nachtbrot”. Aber was heißt schon Highlight. Das ganze Album ist grandios. Songs wie der Opener “Ruperts Gruen”, “Abalonia” oder “Vormann Leiss” sind eh über alles erhaben. Der Sound ist übrigens super, das Publikum extrem gut drauf und darüber hinaus perfekt in die Songs gemischt. Man hört förmlich, wie viele Mikrofone im Conne Island aufgebaut wurden, um ein so authentisches Sounderlebnis einzufangen.

Und so darf man gespannt sein, wie es mit Turbostaat weiter geht. Ich wünsche den Jungs und ihrem Umfeld auf jeden Fall weitere tolle Erlebnisse und noch viele Jahre voller Elan und Gesundheit. Nach 20 Jahren Punkrock sollte man ja auch ein bisschen auf sich aufpassen…

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