The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die
Illusory Walls

Epitaph
VÖ: 08.10.2021

Mit “Illusory Walls” kehrt eine Band auf Albumlänge zurück, die in meiner Vergangenheit schon für einige Gänsehautmomente gesorgt hat. Zuletzt, als das aus Connecticut kommende Kollektiv mit der Sunny Day Real Estate Coverversion von “In Circles” ablieferte. The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die (TWIABP) fühlen sich wie letzte Überlebende einer in den 00er Jahren forcierten Emorockgeschichte an, die irgendwo zwischen Broken Social Scene und mewithoutyou ihren Platz gesucht und gefunden hat. Nach dem Durchbruch mit ihrem zweiten Album “Harmlessness” (2015), dem anschließenden Fast-Ende der Band und dem Aufrappeln mit dem erstaunlichen Album “Always Foreign” (2017), markiert “Illusory Walls” nun das vierte Kapitel des Quintetts.

Zunächst einmal überwiegt die Freude, dass die Band mit neuer Musik wieder da ist. “Illusory Walls” scheppert jedoch so pompös um die Ecke, dass es noch seine Zeit brauchen wird, bis tatsächlich alles aufgenommen werden kann. Das Aussetzen des normalen Lebens während der Pandemie gab der Band die Chance, sich in Ruhe auf die eigenen Qualitäten zu konzentrieren. Was sich oftmals nach einem großen Sammelsurium der unterschiedlichsten Instrumente anhört, bekommt auf “Illusory Walls” einen definierten orchestralen Charakter. Wer TWIABP schon mal live erleben konnte, der kennt die ausufernden und musikalisch bombastischen Auftritte der Band. Nach den Neugier erweckenden Vorabsingles “Invading The World Of The Guilty As A Spirit Of Vengeance” und “Queen Sophie For President” beginnt das Album in seiner opulenten Darbietung für mich eigentlich erst mit Track Nummer 5 und avanciert fortan quasi zu einem Emo-Musical. TWIABP lassen so Kombinationen von Emorock mit 80er Pop-Anleihen a la Frankie Goes To Hollywood entstehen oder zelebrieren einen symphonischen Höhepunkt mit verzerrten Gitarren und klassischen Streichern. Hier und da brechen eingestreute Breaks gekonnt den Rhythmus auf und verhindern jedweden monotonen Gedanken. Denn abgeholt werde wahrscheinlich nicht nur ich besonders, wenn nach einem einem großen Zusammenklang, Tempo und Dynamik heruntergefahren werden und die Band plötzlich äußerst sensibel klingt. Das bekommen TWIABP strukturell vor allen in den oftmals fließenden Übergängen zwischen den Songs hin. “Died In The Prison Of The Holy Office” und “Your Brain Is A Rubbermaid” gefolgt von “Blank // Worker” und “Trouble”. Bei mir entwickelt sich ein soundtrackhafter Rausch, der in den 15- und 19minütigen Songs “Infinite Josh” und “Fewer Afraid” eigentlich gar kein Ende findet. Es fühlt sich ein wenig danach an, als wenn TWIABP noch mal vieles zuvor Dargebotene von “Illusory Walls” zusammenfassen. Als wenn zuvor bekannte Strukturen und Themen wieder aufflackern. Ein wohltuendes, nicht aufhören wollender Fade out.

Auch wenn an der ein oder anderen Ecke die Konzentration herabfällt, bewegen sich TWIABP auf einem konstant hohen Niveau ergreifender Melodien. Der Wechselgesang von Gitarrist David Bello und Keyboarderin Katie Dvorak bietet darüber hinaus immer aufhorchende Momente. Anfangs war ich aufgrund der musikalischen Überladung etwas irritiert. Das hat die Zeit, die ich dem Album gegeben habe, aber ausgedünnt. Die Wirkung und der Spaß am Album wächst seitdem.

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