Pascow
Jade

Rookie Records / Kidnap Music
VÖ: 25.01.2019

Zwei Jahre nach dem gefeierten “Lost Heimweh”-Boxset melden sich Pascow mit einem fulminanten neuen Album zurück. Mit “Jade” verabschiedet sich die Band aus Gimbweiler von Codierung und „kryptischer Scheiße“, wie es in der Bandbiografie steht. So weit sollte man jetzt nicht direkt gehen, aber der Reihe nach.

Als sich die Band um das Brüderpaar Alex und Ollo 1998 in dem kleinen Dörfchen Gimbweiler (Rheinland-Pfalz) gründeten, dachten die beiden sicherlich nicht, dass sie 20 Jahre später zu einer der größten und besten deutschsprachigen Punkrockbands gehören würden. Doch spätestens mit dem 2008-Album “Nächster Halt gefließter Boden” und dem bis heute letzten Besetzungswechsel am Bass (Flo ersetzte den ehemaligen Across The Border-Bassisten Bieber) haben sich Pascow in die Herzen der Punkerinnen und Punker gespielt, was auch an den äußerst schweißtreibenden Live-Shows der Band liegt.

“Alles muss kaputt sein” (2010) und “Diene der Party” (2014), mit dem Pascow musikalisch über den Tellerrand schauten und aus dem reinen Deutschpunk-Korsett ausbrachen, sind zwei starke Alben, mit denen die vier Musiker ihre Stellung in der Szene weiter festigen konnten. Daran wird sich mit dem neuen Album nichts ändern, auch wenn der offensichtliche Hit zunächst einmal fehlt. Mit “Jade” ist das Quartett vor allem inhaltlich so greifbar und fokussiert wie selten zuvor. In den drei Wochen, die die Band mit Kurt Ebelhäuser im Studio verbrachte, haben Pascow ihren eigenen Sound weiter ausgearbeitet. Spielfreude und Power, Sprachwitz und Live-Dynamik, dieser Band kann man nichts mehr vormachen. Hinzu kommen Haltung und Energie der Gruppe, die man dem Album in jedem Moment anhört. Bei Songs wie “Silberblick & Scherenhände”, dem Stampfer “Unter Geiern” oder auch “Sturm, der durch Erlen zieht” ist bereits nach wenigen Riffs klar, wohin die Reise geht. Nämlich in den verschwitzten Mosh-Pit – das Bild von Sänger und Gitarrist Alex vor Augen, der wieder einmal mit blutiger Nase weiter spielen muss, weil er seinen Mikroständer ins Gesicht getreten bekommen hat. Vor allem “Unter Geiern” kommt mit seiner Faith No More-Reminiszenz am Ende sehr gut. Für mich der heimliche Hit der Platte.

Auch der Mut, als zweite Single die (darf ich das jetzt so sagen) Ballade “Wunderkind” rauszuhauen, nötigt Respekt ab. Auch wenn da eine doch nicht zu verheimlichende Ähnlichkeit zu Bushs “Glycerine” zu erkennen ist, ist der Song doch ebenso unerwartet, wie gut. Allerdings kommt der Song vor allem in Verbindung mit dem Video so gut.

Am Ende gibt es, ähnlich dem Vorgängeralbum “Diene der Party”, Überraschungen in denen der eigensinnige Humor der Band oder persönliche Randnotizen im Vordergrund stehen (“Schmutzigrot”). Und so ist “Jade” nicht nur der logische musikalische Schritt. “Jade” ist bereits im Januar ein Anwärter auf das beste Punkrock-Album des Jahres. Denn seien wir mal ehrlich, besser kann man deutschsprachigen Punkrock irgendwie auch nicht auf Platte bringen.

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