Im vergangenen Jahr konnten Automatic mit ihrem Debütalbum “Signal” schon so einige Fans für sich gewinnen. Der nostalgisch angehauchte und gitarrenlose, teilweise minimalistische und doch dröhnende Sound wandelt auf einer melancholischen Welle zwischen New Wave und Post Punk. Gradlinig, man könnte fast schon störrisch meinen, kann dich “Signal” in den Bann ziehen. Am letzten Dienstag konnten wir Izzy Glaudini (Synths, Vocals), Lola Dompé (Drums, Vocals) und Halle Saxon (Bass, Vocals) dann live im gut gefüllten Bumann & SOHN in Köln erleben.

Dass sich mittlerweile ein kleiner Hype um Automatic gebildet hatte, konnte man an den doch bekannten Gesichter des Musikbiz und dem für mich unerwartet gut gefüllten Club ausmachen. Klar, dass Bumann & SOHN ist im Kölner Kreis schon lange kein Geheimtipp mehr für Konzerte. Das starke Booking zwischen aufstrebenden und bereits etablierten Künstlern der Independent und Elektronik-Szene machte den Club neben dem Barbetrieb äußerst rasch einen Namen. Mit ihrem im Spätsommer 2019 veröffentlichten Album “Signal” besuchten nun die aus Los Angeles kommenden Automatic den hippen Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Zu Beginn konnte ich Izzy, Lola und Halle am Merchtisch kurz ‘Hallo’ sagen. Unaufgeregt, interessiert und sehr sympathisch belief sich der Small Talk und mündete in einer signierten Platte. Irgendwie hatte ich auch Bock darauf, in diesem Moment Fan zu sein.

 

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Auf der Bühne dann verfiel das Trio in eine andere Rolle. Introvertiert, stoisch, bewegungsarm. Automatics Sound siedelt sich eigentlich optimal zwischen alten Wave- und Post-Punk Klassikern wie Joy Division, The Cure oder Blondie an. Und ist damit in meinen Ohren durchaus tanzbar und energiegeladen. Bei der erstarrten Performance jedoch, war dem ein oder anderen Zuschauer von vorne herein jegliche Energie genommen. Dröhnend blieb es, wenn der Synthesizer aufgedreht wurde oder der Bass von Halle Saxon immer und immer wieder, monoton am jeweiligen Thema des Songs festhielt. Die dumpfen Tom Toms von Lola Dompé unterstrichen den Vergleich zur Musikszene zwischen ’78 und ’82. Natürlich funktionieren die Songs in ihrer minimalistischen Weise genau so. Doch das unbändige Treiben der Songs auf Platte konnte live nicht voll umgesetzt werden. Etwas mehr Selbstbewusstsein stände dem Trio nicht schlecht. Jedenfalls interpretier ich das zwar kopfnickende aber schlicht nicht gepackte Publikum so. Ich persönlich fühle mich nach einem ereignisreichen und über dem Limit gelebten Wochenende einfach wohl. Tracks wie “Suicide In Texas”, “Too Much Money” oder “I Love You, Fine” machten mir in dieser halb stoisch, halb schüchternen Darbietung unheimlich Spaß. Und zu dem coolen “Calling It” oder den experimentelleren Kreationen wie “Electrocution” konnte ich genüsslich ein Feierabendbier trinken. Erst nach dem Konzert machten einige Konzertmitstreiterinnen mich auf die dargebotene Coverversion des Delta 5 Songs “Mind Your Own Business” aufmerksam. Delta 5, eine für den Post-Punk Anfang der 80er nicht unwichtige Band aus England und eine peinliche Lücke in meinem Musikwissen. Tja, nach kurzweiligen 45 Minuten gingen Automatic von der Bühne. Und trotz der für viele nicht überzeugenden Performance fand ich das Erlebnis Automatic gesehen zu haben irgendwie gut. Die Band steht nach einer Coversingle und einem Album noch nicht in dem Bereich, in dem sie die allgemeine Presse vielleicht hinbeordert hat. Einige Justierschrauben sollten noch ausgerichtet werden – das Gesamtpaket ist aber durch die Bank erfrischend und sympathisch.

AutomaticAutomatic FacebookAutomatic InstagramAutomatic Spotify

On Tour (ausgewählte Termine):

  • 06.02. Baden, One Of A Million Fest (CH)
  • 07.02. Leuven, Het Depot (BE)
  • 08.02. Den Haag, Grauzone Festival (NL)
  • 09.02. Amsterdam, Paradiso (NL)
  • 17.02. Hamburg, Hafenklang
  • 21.02. Berlin, ACUD