Ungefähr vor einem Jahr wurde ich auf die Band Trucks aus Berlin aufmerksam. Eine Demo EP stand auf der Bandcamp Seite zu Buche. Ein Stil zwischen Post-Punk und -Rock, mit Noise und Pop-Einflüssen. Ein vielversprechender Mix aus alternativem Gitarrensound und guten Lyrics. Ein Sound, der seine Lautsprecher genau auf mein Fanherz ausrichtete und ich somit die Ohren spitzte und fortan auf mehr wartete. Von Dezember 2016 bis Mai 2017 veröffentlichten die Berliner dann weitere drei Singles. Diese Trilogie ist seit Veröffentlichung immer wieder in verschiedensten Playlisten daheim und unterwegs vorhanden und auch irgendwie nicht mehr wegzudenken. Grund genug also bei Trucks mal nachzufragen, wer denn die ein bis vier Musiker eigentlich sind.

Hey Trucks, wenn ich mir eure Bandcamp Historie angucke, entnehme ich, dass ihr seit ungefähr Mitte 2015 existiert. Bisher gibt es als digitale Releases eine Demo EP und in einer Trilogie veröffentlichte drei Singles. Euer Stil irgendwo zwischen Post-Punk und Post-Rock mit Noise und Pop Einflüssen erinnert an viele andere Bands, jedoch habt ihr bereits mit den wenigen Tracks durchaus auch euren eigenen Stempel draufgesetzt. Gradlinigkeit höre ich nicht unbedingt bei euch heraus, eher das Spiel mit Ausbrüchen und Tempowechseln. Doch bevor wir dazu kommen meine Einschätzung zu widerlegen – vielleicht stellt ihr euch kurz vor, wer ihr seid, wie viele es von euch gibt und wie ihr zusammengekommen seid?

„Es gibt 4 von uns, das sind oft 1-3 zu viel. Manchmal aber auch genau die richtige Anzahl, dann entsteht eben dieser „eigene Stempel“. Zusammengekommen sind wir 2013, Schraube suchte Mitstreiter für eine neue Indie-Band, das haben wir dann versucht, erst zu dritt (Schraube, Elias und Billy), dann kam noch Christian dazu, das passte super.“

Warum grade Trucks? Was steckt hinter dem Bandnamen? Schlagfertigkeit, auf Achse sein, beschreibt es gar die kraftvolle Musik, die in euren Tracks steckt?

„Ist ein Spalter… Schraube liebt den Namen, Elias findet ihn kacke…“

Lieg ich mit meiner Einschätzung richtig in Bezug auf das, was ihr an Musik macht oder auch in Zukunft machen wollt? Wo liegen eure Einflüsse?

„Klar, wir haben viele Einflüsse aus vielen verschiedenen Richtungen, sind ja auch vier komplexe Persönlichkeiten. Aber natürlich haben wir viel Indie und drum herum gehört. Das ist und bleibt auch grob das Feld in dem wir uns musikalisch bewegen, mit all seinen Rändern. Und mit „Post-irgendwas“- Kategorien können wir uns glaube ich auch alle anfreunden. Wir reizen das aktuell noch ein bisschen weiter aus, mal gucken was dann am Ende für ein Stempel passt.“

In wie weit gehören die Songs B Feld, Surf City und Platzbude zusammen? Ihr betitelt die drei Stücke als Trilogie. Im ersten Stück seid ihr in der digitalen Welt, es geht um Zukunftsängste und Illusionen. Ein B Feld kommt im Magnetismus vor, soweit ich mich erinnere. Und im nächsten Stück plant ihr die Großstadt zum Surferparadies umzubauen. Eine neue Option der Stadtflucht und des Abschaltens. In Platzbude geht es ums Träumen, sag ich mal. Wo ist da der rote Faden?

„Nach den Demos überlegten wir, was wir als nächstes aufnehmen, direkt ein Album oder erst eine EP. Da wir aber alle gar nicht so viel mit physischen Tonträgern am Hut haben, mussten wir uns eben auch nicht an die klassischen Formate halten. Und Singles sind natürlich viel einfacher und schneller zu produzieren als ein ganzes Album. Und der Zusammenhang, naja, es geht thematisch in allen drei Songs um die Buzzwords unserer Generation – Zukunft, Computer, Depression, Isolation, Hedonismus, etc. – vor allem was die digitale Welt mit Menschen macht oder so. Jeder Song betrachtet diese Dinge auf eine etwas andere Weise, tiefere Interpretationen würde ich den Hörer*innen überlassen. Die Songs sind aber nicht direkt im Zusammenhang entstanden, sondern sollten eher einen Querschnitt durch unsere Musik zeigen.“

In wie weit passen die ausgewählten Coverfotos zu euren Songs? Die Fotografien von Patricia Morosan und Katinka Schuett sind in jedem Fall sehr stilvoll gewählt.

„Es hat sehr lang gedauert, bis wir uns da auf was einigen konnten (2-3 Meinungen zu viel). Die Fotos stammen aus einer Serie, die die beiden Fotografinnen für die Deutsche Oper gemacht haben (–> Patriciamorosan.com), wir haben die ganz zufällig entdeckt und konnten uns zum ersten Mal recht schnell darauf einigen, dass wir die gut finden. Die Auswahl der drei finalen Fotos war dann schon schwieriger. Die Bilder passen auf den ersten Blick gar nicht zu den Songs – die Kinder haben etwas ganz Friedliches, Ruhiges, Souveränes, gleichzeitig aber auch Trauriges und Verlorenes – die Songs sind musikalisch und inhaltlich total getrieben und impulsiv. Aber die Motive passen dann doch hervorragend, die Kinder sind alle vier auf jeden Fall „Digital Natives“, aber dann in diese wundervoll nostalgische Ästhetik gepresst.“

Ihr habt eure Songs in den Golden Retriever Studios aufgenommen. Da waren auch schon andere Künstler und Produzenten am Werk. Rodaidh McDonald (Produzent von The XX, Daughter oder Savages), Antoine Newcombe (The Brian Jonestown Massacre) oder How To Dress Well. Von anderen Bands erfahre ich immer unterschiedliche Berichte aus dem Studio. Die einen nehmen live auf, die anderen in unterschiedlichen Abschnitten. Wie war bei euch die Arbeit im Studio? Sind da nur die letzten drei Tracks aufgenommen worden oder gar schon mehr für die Zukunft?

„Wir haben vom Musicboard Berlin einen kleinen Zuschuss für diese Trilogie bekommen, daher konnten wir uns das Studio leisten. Danke! Für die Demos hatten wir alles separat aufgenommen, daher wollten wir’s für diese drei einfach mal Live probieren. Das hat sehr viel Spaß gemacht, war aber im Nachhinein nicht unbedingt die beste Idee, aber Hitproduzent Max Stern hat das dann ganz gut zurechtgerückt. Mehr als drei Songs waren aber nicht drin leider. Den Prozess kann man in diesem kleinen Video sehr gut nachvollziehen:“

Eure Bandcamp Seite heißt diegruppetrucks.bandcamp.com. Ist es nur Zufall oder habt ihr die Auswahl auf den Zusatz „die Gruppe“ absichtlich so gewählt. Mich erinnert das vor allem an die Gruppe Sport, die in Kritikerkreisen immer hochgelobt wurde, aber leider nie so richtig den Durchbruch gefunden hat und ja eigentlich nur Sport heißt und eben nicht die Gruppe Sport.

„Irgendeinen Zusatz muss man so einem doofen Bandnamen immer geben und „die Gruppe Trucks“ liest sich einfach ganz gut, im Vergleich zu z.B. „Trucks-Band“ oder „Trucks official“ oder so. Zur Gruppe Sport gibt es in unseren Kreisen Befürworter und Gegner…“

Ihr wart letztens mit Kala Brisella auf der Bühne. Ich glaub zu deren Releaseparty. Ihr Debütalbum Endlich Krank ist ja sehr sehr gut geworden. Demnach die Frage: Wann kommt euer Debütalbum? Oder bleiben wir vielleicht erstmal allgemeiner: Was kommt von Trucks als nächstes? Wie sehen eure Pläne aus bzgl. Label, weitere Touren und dann vielleicht die Frage nach einer EP oder LP?

„Ja die Kalas sind großartig, das Album ist Weltklasse und live sind die mega. Und Jochen ist wohl einer der besten Texter zurzeit. Wir ziehen nach und arbeiten gerade an den Songs fürs
Debütalbum, das voraussichtlich im Frühling 2018 kommt. Mit Label und allem Drum und Dran sicherlich. Das wird wie gesagt stilistisch nochmal ein bisschen anders, noch viel besser und interessanter und vielseitiger.“

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen und die Fragen beantwortet habt. Alles Gute für die nächsten Schritte. Ich bin schon jetzt gespannt, wie sich das neue Material anhören wird. Grüße nach Berlin.

 

On Tour:

 

Fotos: Constantin Timm

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